Ernst Lubitsch; Deutschland; 1919
Erzählt wird die Geschichte der jungen Pariser Schneiderin Jeanne aus dem einfachen Volk, die im vorrevolutionären Frankreich mit verschiedenen Herren der gehobenen Klasse "verkehrt" und nach und nach als Mätresse des einen und des anderen "aufsteigt", bis sie als (inoffizielle) First Lady neben König Louis XV "landet". Ihre "neu erworbene" "Stellung" macht sie allerdings zur Hassfigur der aufgebrachten Menge des armen Volkes, die sich allmählich zum Aufstand formieren.
Madame Dubarry war bis dahin der teuerste deutsche Film und ein unglaublicher internationaler Erfolg. Die Amerikaner staunten über die prächtige Ausstattung, der man die Nachkriegs-Not im besiegten Deutschland überhaupt nicht anmerkte. Nicht ohne Grund nannte man Ernst Lubitsch damals einen "deutschen Griffith" und verwies dabei auf die genaue und kunstvolle Choreographie der Massenszenen, darunter der Sturm auf die Bastille. Der Film, der in den USA unter dem Namen Passion vermarktet wurde, bedeutete für Lubitschs Karriere das Sprungbrett nach Hollywood. Ebenso konnten es die französischen Kritiker nicht glauben, wie raffiniert in Deutschland historischer Stoff filmisch umgesetzt wurde. Noch heute ist der schnelle Schnitt, die befreite Lockerheit der Darsteller und die verblüffende Vielfalt der Kostüme und Masken bestechend für den Erfolg.
Was aber den größten Reiz des Filmes ausmacht, ist, wie er Historie quasi durchs Schlüsselloch ins Damenzimmer erklärt. Die Verbindung von Aufwand und intimen Charme ist, unter Einbeziehung des wunderschönen Exterieurs, erstaunlich gut gelungen. Dabei macht Lubitsch keine Klassen-Unterschiede. Die hochnäsige Hofgesellschaft kommt bei ihm ebenso schlecht weg wie der meuternde Pöbel; die lüsternen Anbändelungen der Adelsherren bei Jeanne - gespielt von Pola Negri - entsprechen dem Gegeifer der rasenden Menge. Der gute Geschmack wird jedoch bewahrt, in dem Lubitsch den Entlarvungen der menschlichen Schwächen umgehend Entschuldigungen entgegenstellt. So blamiert sich der König (Emil Jannings) beim "Blindekuh"-Spielen als unbeholfener Trottel - und bricht im selben Moment zusammen. Als er auf dem Sterbebett verzweifelt nach Jeanne schreit, hat er unser aller Mitleid.

Allerdings hat der Film bei mir am meisten gepunktet, als ich den Drehort wiedererkannte, spätestens bei der Szene als König Louis XV Jeanne zum ersten Mal begegnet und sich mit seinem Hofgefolge auf eine Bank setzt. Auf dieser Bank - und allen anderen im Schlosspark von Sanssouci - habe ich selbst schon so unzählige Male als Kind gesessen, 70 - 80 Jahre nachdem die Aufnahmen dort entstanden sind. Weitere sehr vertraute Orte des Parks sind auch zu erkennen, wie z.B. das kleine Chinesische Teehaus und das Neue Palais (ebenfalls zu sehen in Barry Lyndon (1975) und das Nachbarschloss von Sanssouci, wo meine Oma jahrelang Kuratorin gewesen ist) strahlt, wunderschön aufgenommen, in seiner ganzen Pracht. Hach ja, Kindheitserinnerungen sind wat Schönes.

Erzählt wird die Geschichte der jungen Pariser Schneiderin Jeanne aus dem einfachen Volk, die im vorrevolutionären Frankreich mit verschiedenen Herren der gehobenen Klasse "verkehrt" und nach und nach als Mätresse des einen und des anderen "aufsteigt", bis sie als (inoffizielle) First Lady neben König Louis XV "landet". Ihre "neu erworbene" "Stellung" macht sie allerdings zur Hassfigur der aufgebrachten Menge des armen Volkes, die sich allmählich zum Aufstand formieren.
Madame Dubarry war bis dahin der teuerste deutsche Film und ein unglaublicher internationaler Erfolg. Die Amerikaner staunten über die prächtige Ausstattung, der man die Nachkriegs-Not im besiegten Deutschland überhaupt nicht anmerkte. Nicht ohne Grund nannte man Ernst Lubitsch damals einen "deutschen Griffith" und verwies dabei auf die genaue und kunstvolle Choreographie der Massenszenen, darunter der Sturm auf die Bastille. Der Film, der in den USA unter dem Namen Passion vermarktet wurde, bedeutete für Lubitschs Karriere das Sprungbrett nach Hollywood. Ebenso konnten es die französischen Kritiker nicht glauben, wie raffiniert in Deutschland historischer Stoff filmisch umgesetzt wurde. Noch heute ist der schnelle Schnitt, die befreite Lockerheit der Darsteller und die verblüffende Vielfalt der Kostüme und Masken bestechend für den Erfolg.
Was aber den größten Reiz des Filmes ausmacht, ist, wie er Historie quasi durchs Schlüsselloch ins Damenzimmer erklärt. Die Verbindung von Aufwand und intimen Charme ist, unter Einbeziehung des wunderschönen Exterieurs, erstaunlich gut gelungen. Dabei macht Lubitsch keine Klassen-Unterschiede. Die hochnäsige Hofgesellschaft kommt bei ihm ebenso schlecht weg wie der meuternde Pöbel; die lüsternen Anbändelungen der Adelsherren bei Jeanne - gespielt von Pola Negri - entsprechen dem Gegeifer der rasenden Menge. Der gute Geschmack wird jedoch bewahrt, in dem Lubitsch den Entlarvungen der menschlichen Schwächen umgehend Entschuldigungen entgegenstellt. So blamiert sich der König (Emil Jannings) beim "Blindekuh"-Spielen als unbeholfener Trottel - und bricht im selben Moment zusammen. Als er auf dem Sterbebett verzweifelt nach Jeanne schreit, hat er unser aller Mitleid.

Allerdings hat der Film bei mir am meisten gepunktet, als ich den Drehort wiedererkannte, spätestens bei der Szene als König Louis XV Jeanne zum ersten Mal begegnet und sich mit seinem Hofgefolge auf eine Bank setzt. Auf dieser Bank - und allen anderen im Schlosspark von Sanssouci - habe ich selbst schon so unzählige Male als Kind gesessen, 70 - 80 Jahre nachdem die Aufnahmen dort entstanden sind. Weitere sehr vertraute Orte des Parks sind auch zu erkennen, wie z.B. das kleine Chinesische Teehaus und das Neue Palais (ebenfalls zu sehen in Barry Lyndon (1975) und das Nachbarschloss von Sanssouci, wo meine Oma jahrelang Kuratorin gewesen ist) strahlt, wunderschön aufgenommen, in seiner ganzen Pracht. Hach ja, Kindheitserinnerungen sind wat Schönes.
(8.5/10)
Nr. 1 von 1919, vor "Blinde Ehemänner"; 7. Lubitsch Film

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